St. Othmar Kirche

Der Name Dinker ist von der alten sächsischen Thingstätte abgeleitet, die am westlichen Ortsausgang Richtung Hamm lag.

Aus dem 9. Jahrhundert wird schon eine Taufkirche erwähnt.

Das hiesige Kirchspiel entstand im 10./11. Jahrhundert. In ihm lagen neun Adelshöfe, allerdings nur zwei im Bereich des heutigen Ortsteils Dinker. Es ist unklar, ob die Kirche auf dem Grund der ehemaligen Wasserburg Clötinghof oder nördlich daran anschließend steht. Die Burg wurde zerstört, die Gräften bestehen zum Teil noch. Auf einer Insel solch einer Gräfte steht noch ein ehemaliger Speicher.

Nördlich der Kirche befand sich auf dem heutigen Kirchplatz bis 1831 der Friedhof.

Das erste Gotteshaus an dieser Stelle wurde 1185 vollendet. Als Schutzpatron wählten die Dinkeraner den heiligen Othmar von St. Gallen. Dieser Mönch war der erste Abt jenes in der Schweiz gelegenen Klosters. Ein dinkerscher Ritter brachte auf dem Rückweg von einem Kreuzzug Reliquien des Heiligen aus St Gallen mit.

Der älteste Teil der heutigen Kirche ist die Westwand, die gleichzeitig noch ein Rest des alten Turmes von 1185 ist.

Dann folgt der Chor aus dem Jahr 1514 in gotischer Bauweise mit einem Kreuzrippengewölbe.
Das dreijochige Kirchenschiff wurde in den Jahren 1744 - 1747 erbaut.
Das war eigentlich schon das Zeitalter des Barock, trotzdem hat man es im gotischen Stil errichtet, allerdings ohne Kreuzrippengewölbe, sondern mit einem einfacheren Kreuzgradgewölbe. Im westlichen Teil erstreckt sich über fast zwei Joche eine hölzerne Empore, welche nach Westen hin ansteigt und von acht runden Holzsäulen getragen wird.
Der baufällige Turm wurde im Jahr 1901 abgebrochen und im Jahr darauf neu errichtet. Er ist in schlichter, quadratischer Bauweise aus Ziegeln gebaut und erreicht in der Spitze mit dem Hahn eine Höhe von 40 Metern. Der Grundriss der Kirche ist der einer einschiffigen Saalkirche mit 5/8 - Abschluss. Der Chor besteht aus zwei Jochen. Im Zuge der Kirchenrestaurierung 2015/2016 wurde der ehemals smalteblaue Anstrich der Kreuzrippen im Chor freigelegt und erneuert.

Beim Betreten der Kirche geht der erste Blick auf die mächtige barocke Altar-, Kanzel- und Orgelwand, die in den Jahren 1749-1755 errichtet wurde. Die axiale Anordnung von Altar, Kanzel und Orgel findet man im hiesigen Raum sehr selten. Sie ist mehr im thüringisch/sächsischen Raum verbreitet. Ein Grund für diese Anordnung war die gute Hör- und Sichtbarkeit des Pfarrers.
Der Aufbau des Altars staffelt sich von der Wand in den Raum hinein durch eine beidseitig über Eck gesetzte dreifache Pfeilerreihe, die im Kanzelbereich ihre Fortsetzung findet. Die Kanzel wächst, umrahmt von der Pfeilertrias des Altars, von einem dreiseitigen Fuß gleichsam aus der Wand heraus, um sich etwa 1 Meter über dem Altar zu einem sechsseitigen Kanzelkorpus auszuweiten. Der Schalldeckel weist den gleichen Grundriss auf. Sämtliche Säulen der Altarwand haben korinthische Kapitelle, denen ein besonderer sakraler Charakter zukommt, da man sie schon im salomonischen Tempelbau in Jerusalem verwandte.
Dem Schalldeckel kommt neben der Schallregulierung noch die Aufgabe zu, als Baldachin bzw. Bekrönung zu wirken und so die Kanzel als Predigtort auszuzeichnen.
Der Sinn der beiden großen, lange Zeit mit Leinen bespannten, Öffnungen ist nicht ohne Weiteres zu erkennen. Sie sind auf jeden Fall ein schönes Beispiel von Volutenaufschwüngen, deren Motiv im Aufbau der gesamten Wand wiederkehrt. Die in der Altarwand zahlreich dargestellten Blüten sind in der Symbolsprache das Sinnbild für "heilig".
In einer letzten Stufe über Altar und Kanzel reihen sich in symmetrischer Anordnung in einem Unter- und Oberwerk die großen und kleinen Pfeifen aus dem Pfeifenwerk der Orgel. Die alte Orgel stammt aus dem Jahr 1755. Diese Orgel versah ihren Dienst bis 1928. Danach erklang eine Interimsorgel bis zum Jahr 1978, allerdings ohne die beiden Seitenpedaltürme. 1978/79 wurde die Orgel restauriert und von 18 auf 21 Register erweitert.
Das heutige hölzerne Taufbecken stammt aus dem Jahr 1750. Hier sieht man wieder, wie an der Altarwand, Blütenkelchornamente. Den oberen Abschluss des Deckels bildet eine Taube als Symbol des Heiligen Geistes (Eine Taube bringt Noah den Ölzweig).
Es befinden sich auch seit alters her Gräber in der Kirche. Hier wurden einerseits die Pfarrer begraben, der letzte im Jahre 1788;
weiterhin wurden Angehörige des Adels in der Kirche bestattet, worauf auch die Epitaphe an der Nordwand des Chorraumes hinweisen.
Das älteste Epitaph ist das Plettenberg - Epitaph, welches an die Gräber der Eheleute von Plettenberg auf Haus Nateln erinnert und aus dem Jahre 1597 stammt.
Die beiden großen Epitaphe sind dem Gedenken der Eheleute Voß zu Vellinghausen gewidmet; sie sind im barocken Stil geschaffen und stammen aus dem Jahr 1735 oder kurz darauf.
Diese drei Epitaphe sind aus Naturstein geschaffen.
Das Caesarius - Epitaph unter der Empore besteht aus Holz und befand sich früher, noch mit Schnitzereien versehen, auf dem alten Altar als Flügelaltar.

Im Kirchturm befindet sich über der Turmuhr die Glockenstube. Sie hat in allen vier Wänden eine Schallöffnung in Form eines spitzbogigen Fensters. Hier hingen bis zum Anfang des 1. Weltkrieges drei Bronzeglocken. Nach dem Krieg wurden drei neue Glocken aus Stahl eingebaut mit einem Durchmesser von 1,43 m, 1,25 m und 1,02 m. Die große Glocke trägt die Inschrift "Liebe", die mittlere "Glaube" und die kleine "Hoffnung".